Stifter

Friedrich Schiedel (1913-2001) war ein erfolgreicher, international agierender Unternehmer und großzügiger Mäzen. Das Prinzip der Corporate Social Responsibility oder der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen hat er während und nach seinem aktiven Geschäftsleben umgesetzt, indem er sein unternehmerisches Handeln stets mit einem breit gefächerten philantropischen und sozialen Engagement verband.

Der 1913 in Baierz (heute: Bad Wurzach) geborene, in durchaus bescheidenen kleinbäuerlichen Verhältnissen im ländlichen Oberschwaben aufgewachsene Friedrich Schiedel wurde nach seiner Ausbildung im Bauingenieurwesen zu einem mehrjährigen Fronteinsatz im Zweiten Weltkrieg eingezogen. 1946 gründete er – buchstäblich mit zwei geliehenen Schaufeln und einer geliehenen Schubkarre – in Erbach bei Ulm die Firma Erbacher Bauwaren. Der Kleinbetrieb entwickelte sich in den Folgejahren zu einer wirtschaftlich starken und erfolgreichen Firmengruppe mit insgesamt 17 Kaminsteinwerken, die zum Marktführer in der Schornstein- und Abgastechnik wurde und seit 1971 ihren Hauptsitz in München hatte. Schiedel setzte sich schon früh für den Transfer wissenschaftlicher Forschungsergebnisse und technologischer Innovationen in die wirtschaftliche Praxis ein. Doch nicht nur die Innovationskraft und der Aufschwung seines Unternehmens oder der Fortschritt in Produktionstechnologien waren ihm wichtig. Als sozial verantwortlicher und weitsichtiger Unternehmer achtete er stets auch auf adäquate soziale Leistungen für seine Mitarbeiter und deren Familien.

Die materiellen Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs,  die wesentlichen Neuerungen in der Heiz- und Energietechnik sowie der Bauboom der Nachkriegszeit mögen die Unternehmerkarriere Schiedels und den Aufbau seines Baustoff-Imperiums mit Hunderten von Arbeitsplätzen begünstigt haben. Durchaus aber nicht selbstverständlich war, dass Friedrich Schiedel, ein international tätiger Geschäftsmann, bereits in seinen frühen Unternehmerjahren sein Umfeld und die Gesellschaft an seinem wirtschaftlichen Erfolg teilhaben ließ. Neben zahlreichen Spenden und finanziellen Zuwendungen, mit denen er vor allem die Umsetzung einzelner sozialer und mildtätiger Projekte sowie wissenschaftlicher Vorhaben von öffentlichem Interesse unterstützte, sorgte er mit der Gründung mehrerer Stiftungen dafür, dass sein philantropisches Vermächtnis systematisch, nachhaltig und regional fokussiert umgesetzt wird. Das breite Spektrum von Schiedels Förderengagement spiegelt zugleich seine Interessen an der Philosophie, Literatur und Regionalgeschichte, seine Begeisterung für wissenschaftlichen Fortschritt und Technik sowie seine Heimatverbundenheit wider: Im Jahr 1982 rief er die Stiftung Friedrich Schiedel Literaturpreis der Stadt Bad Wurzach sowie die in Wien ansässige Friedrich Schiedel-Stiftung für Energietechnik ins Leben. 1999 erfolgte die Gründung der Stiftung Friedrich Schiedel Wissenschaftspreis zur Geschichte Oberschwabens. Die 1986 in München gegründete Friedrich Schiedel-Stiftung, zugleich das größte Stiftungsprojekt Schiedels, engagiert sich in der Förderung von Wissenschaft und Forschung sowie in der Förderung sozialer Zwecke überwiegend im Landkreis Ravensburg, der oberschwäbischen Heimatregion des Stifters, sowie in einzelnen Gemeinden im Münchner Umland.

1990/91 wurde die Schiedel-Firmengruppe verkauft. Friedrich Schiedel starb im März 2001. Für sein unternehmerisches und sozial engagiertes Wirken wurde er mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht, darunter dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Österreich (1975), dem Großen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (1978) sowie dem Bundesverdienstkreuz I. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1983), außerdem mit dem Großen silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (1989), der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg (1992) und dem Bayerischen Verdienstorden (1996). Ebenso erhielt er die Ehrenbürgerschaft der Städte Hauerz/Bad Wurzach (1971), Puchschlagen/Schwabhausen (1971) und Markt Schöllnach im Bayerischen Wald (1977). Im Jahr 1971 wurde Friedrich Schiedel außerdem zum Ehrensenator der Technischen Universität (TU) München ernannt, mit der sein Unternehmen intensiv zusammenarbeitete.

2013 erschien in der Biberacher Verlagsdruckerei eine von der Friedrich Schiedel-Stiftung herausgegebene und von Rolf Waldvogel verfasste Biografie des Stifters mit dem Titel „Friedrich Schiedel 1913-2001. Zum Gedenken an einen großen Unternehmer und Gönner“.  Die Publikation ist unter der ISBN-Nummer 978-3-943391-36-7 im Buchhandel erhältlich. Sie kann auch bei der Stiftung angefordert werden.